Gigi & Die Braunen Stadtmusikanten – Vereinte Kriminelligung & 50 Reichsmark – In Reichsmark zurück

Vorwort

Das Jahr 2018 neigt sich dem Ende zu. Und wie in jedem Jahr werden wir zum Jahresende noch einmal mit vielen Veröffentlichungen im nationalen Musikbereich beglückt. Bekannte Größen wie Sturmwehr, Flak oder die Stimmen der Freiheit bringen vor Weihnachten noch einmal die Ohren zum Klingeln und sorgen für stressige Zeiten beim Versandhandel. Gespannt blickte die Hörerschaft deutscher Musik jedoch auch nach Meppen, denn die Signale für ein neues Album um Gigi und seine Mannen standen nicht schlecht, da vor gut zwei Monaten bereits ein Musikvideo zum Moorbrand in Meppen veröffentlicht wurde, welches schon hier bei Punikoff besprochen wurde und Großmeister Gigi aktuell kein Jahr ohne musikalischen Beitrag verstreichen lässt. Vor zwei Wochen war es dann soweit und eine neue Stadtmusikanten-Scheibe erblickte das Licht der Welt. Angekündigt wurde diesmal jedoch kein Vollalbum, sondern eine Mini-CD zum schmalen Preis von 10 Euro, welche neben ein paar neuen Liedern auch ein paar neu interpretierte Lieder, sowie Demos und Luni’s unverkennbares Geschre… Ähm, ich meine natürlich, seine unverkennbar liebliche Stimme als Gastsänger beinhalten soll 🙂

Das Album hört auf den Namen „Vereinte Kriminelligung“ und will damit auch ein bisschen die jahrelange Freundschaft der beiden Musikveteranen untermauern.

Was im Nachhinein jedoch noch mehr Aufmerksamkeit erregte, war nicht die eigentliche Stadtmusikanten-CD selbst, sondern eine klitzekleine, in der Randnotiz erwähnte Gratisbeigabe, welche man zu jeder Bestellung beim Zeughaus dazu bekam. Ich werde hier also auf beide CDs in Form einer Doppelbesprechung eingehen. Doch fangen wir erst einmal mit den Stadtmusikanten an.

Gigi & Die Braunen Stadtmusikanten – Vereinte Kriminelligung

Produzent/Label: Das Zeughaus
Erscheinungsjahr: 2018
Format: Mini-Album
Lieder: 10
Gesamtspielzeit: 29:59 Minuten
Genre: Rechtsrock
Pressnummer: Gigi – Vereinte Kriminelligung
Zusätzliche Informationen: Keine Sondereditionen. Vinylveröffentlichung soll im Januar kommen.

Gigi & Die Braunen Stadtmusikanten stehen seit jeher für eine Art fröhliche Musik, auch wenn die besungen Themen öfter alles andere als zum Lachen sind und sind somit das spaßige Pendant zur ernsten Band „Stahlgewitter“. Wurden in den ersten beiden Alben noch viele Mainstream-Titel gecovert, man denke noch an den „Holzmichel“ oder „Was wollen wir trinken“, änderte sich das Zusehens und man verfasste immer mehr Titel selber. Heute covert Gigi kaum noch, außer seine eigenen Lieder, wie zum Beispiel das Moorbrand-Lied. Natürlich finden sich hier und da auch ernstere Stücke, die zum Nachdenken anregen, im Großen und Ganzen nehmen Gigi und seine Musikanten aber so ziemlich jede gesellschaftliche Problematik der aktuellen Zeit gekonnt ins Visier und begeistern die Hörer mit flotten Ohrwürmern, bissigen Texten und allem voran, einer starken Prise schwarzen Humor. Leider wurde es diesmal nur eine Mini-CD, ob wir trotzdem von einer vollwertigen Stadtmusikanten-Scheibe sprechen können, wollen wir hier nun klären.

Zur Aufmachung

Auf den ersten Blick erinnert das Cover stark an eine Art Country- oder Südstaatenrock-CD, was in erster Linie dem Totenschädel mit Cowboy-Hut und langem Bart geschuldet ist. Über dem Schädel steht in gebogener, roter Schrift der Name der Band „Gigi & Die Braunen Stadtmusikanten“. Unter ihm sind zwei Revolver gekreuzt. Der rechte Revolver hat ein Mikrofon auf dem Lauf, aus dem Noten nach oben steigen. Zwischen den Revolvern sticht ein rot hinterlegtes Eisernes Kreuz hervor und es winden sich zwei wild-west-artige Banner nach links und rechts, auf denen der Name des Albums „Vereinte Kriminelligung“ steht. Hinterlegt ist das gesamte Cover mit einer Farbmischung aus Braun und Oliv-Grün, welche sich auch so durch das gesamte Booklet und die Rückseite zieht.

Das Booklet enthält neben den Liedtexten auch viele Bilder und bietet somit einiges fürs Auge. Ein Bild von Gigi und Luni im Duett auf der Konzertbühne ist dabei, genauso wie das obligatorische Pin-Up-Poster zum Ausklappen, welches wir in den vergangen Alben der Stadtmusikanten schon finden konnten. Diesmal handelt es sich um die hübsche Hitler-Verehrerin Unity Mitford mit dem Schriftzug „Hitler-Groupie“ und pinken Herzchen. Ansonsten gibt es zu jedem Titel ein paar themenbezogene Bilder, zum Beispiel Kolonisten in Deutsch-Afrika und „deutsche“ Bananen. Auf der letzten Seite gibt es lustige Grüße von der vereinten Kriminelligung an Freunde und Bekannte, sowie an alle, die bei der Entstehung der Scheibe beteiligt waren.

Die CD selbst wurde mit dem, in braun gehaltenen Wappentier der Stadtmusikanten bedruckt. Der parodierte Adler, welcher eine Faust in den Himmel streckt, erschien das erste Mal auf der „Braun is beautiful“ und ist seitdem fester Bestandteil der Gestaltung aller Stadtmusikanten-CDs.

Die Rückseite ist schlicht gehalten und präsentiert uns lediglich die Titelliste, sowie das Logo vom Zeughaus.

Die gesamte Aufmachung der CD ist sehr gelungen, für eine Mini-CD hat man sich hier sehr viel Mühe gegeben. Das Cover wirkt durch die dunklen Farbtöne etwas ernster als bei den früheren Alben, ist aber trotzdem schön anzusehen. Auch das Booklet kann man beim Hören ruhig mal durchblättern. Somit gibt es hier nichts auszusetzen.

Zur Musik

01. Intro
02. Vereinte Kriminelligung (mit Luni)
03. Unity Mitford
04. Bürgerkrieg
05. Deutsche Bananen
06. An heiligem Orte (unveröffentlichte Demo)
07. Rattenfänger (Demo)
08. Schanker-Maria (Remix)
09. Hier brennt das Moor (Remix)
10. Das gibt es nur in Deutschland II (mit Luni)

Das Album wird mit einer Spielzeit von knapp 30 Minuten dem Prädikat „Mini-CD“ gerecht. Dabei bekommen wir neben einem Intro vier neue Titel, zwei Demo-Versionen und drei Neuinterpretationen geboten. Die Musik bleibt dabei dem Stil der alten Alben treu und bietet flotten, melodischen Rock mit Ohrwurm-Charakter. Musikalisch befinden sich die Stadtmusikanten auf einem recht hohen Niveau, Ausfälle oder Patzer gibt es keine. Gigi’s markante Röhre ist mittlerweile wie ein Markenzeichen und in Kombination mit Luni kann es eigentlich nur perfekt werden.

Eröffnet wird das Ganze mit einem sehr knappen Intro, in welchem eine Moderatorin eine Sendung zum Thema rechte Musik und Gewalt ankündigt. Was diese beiden Sachen miteinander zu tun haben, erschließt sich mir zwar noch nicht, aber vielleicht kommt mir die Erleuchtung ja noch.

Mit dem zweiten Titel, welcher auch Namensgeber für das Album ist, geht es auch sogleich in die Vollen. In gewohnter Stadtmusikanten-Manier legen melodische Gitarren los und die Vereinte Kriminelligung betritt die Bühne. Gigi und Luni wechseln sich in den Strophen am Mikrofon ab, während man den Refrain gemeinsam trällert. Die zwei beziehen dabei klar Position zum Thema „Kriminelle Vereinigung“, wer die wahren Kriminellen sind und was diese irgendwann erwarten wird. Der Titel setzt die Messlatte schon mal recht hoch. Luni verhängt am Ende das Prädikat „grauenhaft“, dem kann ich leider nicht zustimmen 😀

Titel Nummer 2 rockt ebenfalls sehr melodisch los und bleibt auch sofort hängen. Textlich geht es dabei um Unity (Valkyrie) Mitford, eine englische Adlige, welche von Spöttern und den Medien, unter anderem dem Spiegel, als „Hitler-Groupie“ betitelt wurde. Unity Mitford war eine begeisterte Hitler-Anhängerin, stand bei großen Paraden neben ihm und besuchte regelmäßig seine Vorträge. Sie war auch eine der wenigen ausländischen Staatsbürger, die ein Parteiabzeichen bekamen. Die blonde und schöne Unity wollte sich 1939 jedoch das Leben nehmen, als England Deutschland den Krieg erklärte, weil sie den Gedanke nicht ertragen konnte, dass England und Deutschland sich gegenseitig zerstören. Der Suizidversuch schlug zwar fehl, 1948 erlag sie in England aber dann doch an den Spätfolgen. Ein, vielleicht etwas zu fröhliches Lied auf eine traurige Tragödie. Dennoch gefällt mir der Titel sehr gut, ist er doch auch ein kleines musikalisches Denkmal an diese doch recht unbekannte, junge Frau.

Weiter geht es mit Bürgerkrieg. Der Titel war bereits vorab als Hörprobe zu hören und hat seine Wirkung damit auch nicht verfehlt. Für viele einer der besten Titel auf dem Album. Wie der Name schon sagt, geht es dabei um den Tag X, an dem auf den Straßen der Krieg ausbricht, wer dann auf welcher Seite steht und wer dann endlich aufwachen wird. Der Titel bleibt dabei durchweg ernst und erinnert vom Thema her ein wenig an das letzte Album, welches leider nicht mehr namentlich genannt werden darf.

Der nächste Titel ist wieder gewohnt humoristische Stadtmusikanten-Kost. Deutsche Bananen startet mit dem verzerrten Intro eines bekannten Mallorca-Klassikers und die folgende Melodie geht sofort ins Ohr. Textlich erfordert der Titel ein wenig Hintergrundwissen. 1932, in Folge des in Europa wachsenden Protektionismus, verfasste Kurt Tucholsky den Satz „Deutsche, kauft deutsche Zitronen!“. Dieser Satz sollte klar machen, dass es „deutsche“ Zitronen in dem Sinne ja gar nicht gibt, da diese aus Südeuropa importiert werden und man somit auf den Import verschiedener Produkte angewiesen ist. Die linke Szene griff diesen Satz aufgrund eines neu erstarkendem Protektionismus und den einhergehenden Wirtschaftssanktionen in den 2000ern wieder auf und lies Artikel mit der Aufschrift „Deutsche, kauft deutsche Bananen!“ drucken. Gigi möchte mit diesen Lied nun die Genossen darüber in Kenntnis setzen, dass die Bananen aus Kamerun ja eigentlich auch deutsche Bananen sind, da Kamerun ein deutsches Kolonialgebiet war und die meisten der Bananenstauden dort wahrscheinlich noch aus Kolonialzeiten stammen, beziehungsweise unter deutscher Kolonialaufsicht angepflanzt worden sind. Also keine Angst, ihr linken Feinkostverächter, die Bananen sind so gesehen „Made in Germany“.

Nach den vier neuen Liedern präsentieren uns Gigi und seine Musikanten mit An heiligem Orte eine unveröffentlichte Demo. Und ganz ehrlich, hätte man in der Titelliste nicht dazu geschrieben, dass dies eine Demo-Version sein soll, hätte das wahrscheinlich nie einer gemerkt. Das Lied reiht sich ohne Patzer und mit Spitzenqualität in die CD ein und erinnert dabei an die eher nachdenklichen Stücke früherer Alben, wie „Über Gräber vorwärts“. Das Lied ist sehr schön und und ist eine weitere Lobeshymne an die mutigen Kämpfer, die an den Fronten Europa für die Freiheit Deutschlands gefallen sind. Der Hörer soll sich bewusst sein, dass er die heiligen Orte, an denen sie gefallen sind, ehren soll. Eines der besten Stücke.

Das nächste Demo-Stück Rattenfänger kommt der Definition „Demo“ schon näher, da man den Klangunterschied zur fertigen Rattenfänger-Version sofort hört. Die Instrumente klingen dreckiger und der Gesang von Gigi ist hier und da etwas ungenauer als im Original. Das Lied startet dabei mit dem selben Intro aus dem Original, „Schischi“ öffnet mal wieder nicht die Tür. Textlich ändert sich dabei nicht viel, am Ende kommt jedoch noch ein Vers dazu, welcher es nicht in die fertige Version geschafft hat, welcher da lautet:

Nein, nein, das ist kein Sänger,
er ist doch bloß ein Rattenfänger!

Als Demo-Lied ist es mal hörenswert, das Original gefällt mir auf Grund des Feinschliffs dann doch besser.

Nun folgen die drei Neuinterpretation. Den Anfang macht Schanker Maria. Ursprünglich war dieses Lied auf dem Debut „Braun is beautiful“ zu finden, musste aber aus gesetzlichen Gründen gestrichen werden, woraufhin es eine Neuauflage der CD ohne dieses Lied gab. Das Original diffamierte eine Minderheit, welche sich so ziemlich auf „Schanker“ reimt, was in diesem Land aber leider nicht gerne gesehen wird. Unabhängig davon bezeichnet sich diese Minderheit selbst als dreckig und anarchisch, als Gegenkultur zur Gesellschaft, als Außenstehender darf man das aber nicht so direkt sagen. Und somit wird einfach der Titel geändert, die Minderheit nicht mehr namentlich genannt und schon ist wieder alles in Butter. Die Meisten werden trotzdem wissen, wer gemeint ist. Am Ende erwartet uns noch eine kleine Überraschung, denn Maria konvertiert, nachdem sie keine Lust mehr auf ihr jetziges Dasein hat, zu einer neuen Strömung, aber hört einfach selber rein. Für Lacher sorgt das allemal. Musikalisch hat sich nicht viel verändert, mir kommt das Lied jetzt aber ein bisschen flotter vor, als das Original.

Hier brennt das Moor war vor einiger Zeit bereits als kostenloses Youtube-Video zu sehen und wurde bereits hier bei Punikoff besprochen, von daher gehe ich auch nicht weiter auf den Titel ein.

Der Rausschmeißer ist eine Neuinterpretation des Liedes Das gibt es nur in Deutschland. Zusammen im Duett mit Luni zaubern die zwei einen Country-Hit, der in einem grauenhaften Englisch mit amerikanischem Akzent und deutschen Wortfetzen gesungen und von den typisch Cajun-Country-Geigen unterlegt wird. Dazu muss man sagen, dass Luni und Gigi keine Freunde der amerikanischen Politik, dafür aber der Südstaaten und ihrer Traditionen, sowie deren Musik sind. Den Titel könnte man in einem Saloon, einem Südstaaten-BBQ oder einem Treffen des „Kuhlen-Kinder-Klubs“ laufen lassen und die Stimmung wäre perfekt. Ich vermute mal, dass von diesem Titel auch die Idee für das Cover der Scheibe kam, oder anders herum. Textlich geht es um absurde politische und gesellschaftliche Abgründe und Entscheidungen, die es so nur in Deutschland geben kann. Herrlich.

Mein Fazit

Also ganz ehrlich, mir gefällt die Scheibe. Man muss sich dabei immer bewusst sein, dass es sich um eine Mini-CD handelt, man aber trotzdem versucht hat, soviel wie möglich drauf zu packen und man somit das Ganze nicht als Vollalbum bewerten darf. Trotzdem sind einige Ohrwürmer dabei, der Humor der beiden Herren kommt nicht zu kurz und die Gestaltung ist für eine Mini-CD sehr gut geworden. Da es nur 4, beziehungsweise 5 neue Titel gibt, gibt es von mir keine Anspieltipps, die Lieder sind alle sehr gut. Für 10 Euro macht man hier also absolut nichts verkehrt. Jetzt hoffen wir auf frische Ideen für ein nächstes Vollalbum und reihen dieses kleine Stück „Bodenständige Volksmusik“ in die Gigi-Diskografie ein 😉

50 Reichsmark – In Reichsmark zurück

Produzent/Label: Das Zeughaus
Erscheinungsjahr: 2018
Format: Mini-CD
Lieder: 3
Gesamtspielzeit: 11:59 Minuten
Genre: Rap
Pressnummer: 50 Reichsmark
Zusätzliche Informationen: Kein regulärer Verkauf. Gratisbeigabe zur Bestellung beim Zeughaus. Digipack.

Als ich die neue Stadtmusikanten-CD bestellt habe, habe ich mir die CD-Beschreibung vom Zeughaus nicht durchgelesen. Im letzten Absatz stand nämlich, dass man zu jeder Bestellung ein kleines Geschenk dazu bekäme. Als bei den ersten Bekannten die Pakete vom Zeughaus eintrudelten, machten auch viele sogleich große Augen. Dem Paket lag ein kleines Digipack mit der Aufschrift „50 Reichsmark – In Reichsmark zurück“ bei. Erst einmal konnte sich niemand was darunter vorstellen, die Vermutung lag nahe, dass es sich dabei um Rap handeln müsse, denn der hier parodierte Rapper „50 Cent“ sollte so einigen ein Begriff sein. Also, CD ausgepackt, in den Spieler gelegt und… Sprachlosigkeit. Der hier rappende Gangster ist kein geringerer als Gigi selber. „Was ist hier los? Was passiert hier gerade?“ müssen sich einige wohl gefragt haben. Ja auch ich staunte nicht schlecht. Dass Gigi für verschiedene Musikarten bekannt ist, wissen wir. Neben Stahlgewitter und den braunen Stadtmusikanten hat er ja auch noch sein Thrash-Metal-Projekt „In Tyrannos“. Aber als Rapper??? Nun, schauen wir uns das Ganze doch mal genauer an.

Zur Aufmachung

Auf dem Cover fährt uns eine, in schwarz-weiß gehaltene, PKW-Kolonne mit Stahlhelmen und Eisernen Kreuzen entgegen. Die Fahrzeuge stammen ganz klar aus den 30ern des letzten Jahrhunderts. Über ihr fliegt eine Bomberstaffel hinweg und wir sehen ein rundes, rotes Logo, ähnlich einer 50-Pfennigmünze mit der Aufschrift „50 Reichsmark“. Ganz unten steht noch einmal in roten, altdeutschen Buchstaben „Fuffzig Reichsmark – In Reichsmark zurück“.

Klappt man das Digi auf, bekommen wir im Zeichentrickstil die Szenerie aus einem Zombiefilm zusehen, sowie die Liedtexte zu allen drei Liedern und ein schemenhaftes Bild vom vermeintlichen Rapper „50 Reichsmark“.

Drehen wir das Digi um, sehen wir den selben Rapper nochmal im Zeichentrickstil, mit Goldkette, Kinnbart und Sonnenbrille. Ein Hinweis darauf, dass man nicht mehr als 50 Cent für diese Promo-CD zahlen soll, sowie eine Titelliste und eine sehr humoristische Liste aller Beteiligten dieser CD. Ob „DJ Tobi Judge, Dr. W. Shower-Gheddo und Bam-Bam“ wirklich existieren und wer diese Leute sind, kann ich leider nicht sagen, bei „50 Reichsmark“ wird es sich dann wohl um Gigi handeln. Zusätzlich ziert die Rückseite noch ein mit Blutflecken hinterlegter Spruch: „ Der härteste Rapper seit Vadda Abraham“. Für mich ist das alles sehr viel Satire und ich gehe auch mal nicht davon aus, dass Gigi und seine… ähm… Homies(?) das hier ebenfalls nicht ernst nehmen.

Die CD ist bedruckt wie eine 50 Reichspfennigmünze von 1935. Sehr schick.

Zur Musik

01. Ab in die Bronx
02. Das Gheddo stinkt
03. In Reichsmark zurück

Wir kennen Gigi als Rocker und als Metaller. Aber als Rapper ist es wirklich eine Premiere. Von Gitarren-Riffs und Schlagzeug kann ich hier also kaum bis gar nicht sprechen, von daher muss ich Worte wie „Beat“ benutzen. Und man muss wirklich sagen, Gigi hat den „Flow“. Er bleibt im Takt, rappt schnell und das ohne zu stammeln oder zu stottern. Seine Röhre bleibt dabei genauso unverkennbar, wie bei seinen Bands und Projekten. Musikalisch kann man ebenfalls nichts aussetzen, hier wurde wieder auf höchstem Niveau gearbeitet.

Eröffnet wird die CD mit, wer hätte es gedacht, Polizei-Sirenen. Ich vermute mal, dass viele Rapper ihre CD’s mit dem verruchten Klang der Verfolgung eröffnen, schließlich sind sie ja alle „knallharte Gesetzlose“. Kurz darauf setzt der Beat ein, unterlegt mit Melodie und im Refrain mit Trompeten. Ab in die Bronx lässt textlich aber gleich klarstellen, worum es Gigi hier geht. Auf sarkastische Weise nimmt er all die Möchtegern-Gangster aufs Korn und schlägt ihnen vor, mal in die echte Bronx zu gehen. Mal gucken wie lange sie dort überleben.

Hier ist sie, die einzig wahre,
ultimative Gangsta-Fanfare.
Komm mein Junge, jetzt geht’s ab in die Bronx,
die freuen sich sicher schon, dass du kommst.

Das Gheddo stinkt setzt noch einen oben drauf. Der Rap-Ursprung ist anhand der elektronischen Melodien sofort zu erkennen. Textlich geht es auch hier um die sarkastische Abrechnung mit den jugendlichen Perspektivlosen, die sich in irgendwelche Gangster-Fantasien verlieren, daheim aber ganz klein mit Hut sind, wenn Muddi eine Ansage macht. Auffällig oft benutzt Gigi hier das böse F-Wort, was sarkastisch auf die Texte der meisten Rapper zu verstehen ist.

50 Reichsmark im Gheddo – Neuschwabenland-Style
Ansage Zwo-Null-Eins-Acht – Das Gheddo stinkt

Der dritte und letzte Titel In Reichsmark zurück ist ernste Gesellschaftskritik, welche sich an das Nachtleben in einer Großstadt richtet. Dementsprechend ist der Beat und die Melodie recht düster, startet aber mit einem schönen Klavier-Solo. Gigi berichtet hier textlich, was für Abnormalitäten und Geschöpfe ihm nachts in der Stadt begegnen. Von gestörten Irren, Zombies a la „The Walking Dead“ und Junkies, ist in der heutigen Freak-Show, die sich moderne Gesellschaft nennt, alles dabei. Der Titel ist für mich der stärkste und ist eine Warnung an alle da draußen, die sich von der Realität zu weit entfernt haben.

Und das Mondlicht spiegelt sich auf dem Pflaster,
in dieser Stadt regiert das Laster,
sie nennen Drogen und Bitcoins ihr Glück,
doch wir zahlen ihn alles in Reichsmark zurück.

Mein Fazit

Was Gigi hier abliefert, ist im wahrsten Sinne des Wortes einzigartig. Zwar ist Rap-Musik auch im politischen Bereich bei uns angekommen, allerdings geht es hier wohl weniger darum, neue musikalische Wege zu gehen, sondern bestehende Strömungen gezielt und satirisch auf die Schippe zu nehmen. Und für Lacher ist diese Mini-CD allemal zu haben, wenn auch nicht jedes Thema zum Lachen ist. Das letzte Lied bleibt dabei eine offene Abrechnung, in der Gigi den Hörer auf den Boden der Tatsachen zurück holt. Von Musikern, die mit Rap schon länger etwas zu tun haben, hätte man so eine CD vielleicht erwartet, von Gigi jedoch nicht. Prinzipiell muss ich sagen, dass mir das hier vorliegende Werk sehr gefällt, ob ich allerdings offen für ein Vollalbum in diese Richtung wäre, kann ich aktuell gar nicht beantworten. Diese CD taucht aus dem Nichts auf und ist so schnell wieder vorbei, wie sie gekommen ist. Ein Vollalbum würde wahrscheinlich über das Ziel hinaus schießen, denn weniger wäre in diesem Fall wahrscheinlich mehr.

Dennoch bleibt es eine echt gelungene Beigabe und sollte auf jeden Fall in der Sammlung stehen. Für alle, die zu spät gekommen sind, wird das Zeughaus die CD vielleicht noch in den Verkauf bringen. Aber denkt daran, zahlt dafür nicht mehr als 50 Cent 😉

Vielen Dank an Arvid für diese ausführlichen CD-Besprechungen!

2 Gedanken zu “Gigi & Die Braunen Stadtmusikanten – Vereinte Kriminelligung & 50 Reichsmark – In Reichsmark zurück

  1. Schöne Rezension die es auf den Punkt bringt. Ist zwar absolut nicht meine „Musik“, aber wenn man den Sinn dahinter erkennt und es als das sieht, was es ist (eine kostenlose Dreingabe) kann man seinen Spaß damit haben.
    PS: in einem bekannten Download Portal habe ich die Kommentare durchgelesen. Was da geschrieben wird von den ganzen straight-edge-vollzeit-NSler ist sowas von dumm und unter aller Sau… aber was erwartet man von Leuten, die hauptsächlich umsonst alles runterladen…

  2. Netter Happen zwischendurch. Das Titelstück der Gigi-CD hielt ich am Anfang der ersten Strophe für ein „Fridericus Rex“-Cover. „An heiligem Orte“ alleine wäre mir den Kauf schon wert gewesen.
    Die Bonus-CD finde ich als Parodie/Überraschung recht gelungen. Mein Ding isses musikalisch auch nicht, aber einem geschenkten Gaul guckt man nicht ins Maul!

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