Zentralrat der Guten – Jedem die Reime

Produzent / Label: Frontschwein Produktion / Das Zeughaus
Erscheinungsjahr: 2018
Format: Album
Lieder: 12
Gesamtspielzeit: 44:06 Minuten
Genre: Metal, Hard-Rock
Pressnummer: Zentralrat der Guten

Das Leben wirft einem ab und zu mal die merkwürdigsten Dinge vor die Füße und lässt einen dann ratlos dastehen. So geschah es vor knapp zwei Monaten auch bei mir. Ich sah eine CD-Ankündigung, die bei mir einige Reaktionen hervorgerufen hat. Von „Hä? Was ist denn nun los?“ bis „Das könnte interessant werden“ war alles dabei. Und nicht nur mir ging es so, die Reaktionen von Freunden und Bekannten hätten unterschiedlicher nicht sein können. Das Zeughaus verkündete ein neues Werk vom Zentralrat der Guten mit dem sehr provokanten Titel „Jedem die Reime“. Von den Jungs erschien bis jetzt nur ein Album, ein bitterböses Album, raus gekommen beim bitterbösen Versand „Freivolk“, dessen Veröffentlichungen hierzulande Fieber und Schüttelfrost bei Jugendschützern und Gutmenschen ausbrechen ließ. Das Debüt der Band bestand aus hartem Metal und harten Texten, die Bundesprüfstelle ließ das Werk auf Liste B wandern. Was aus Freivolk wurde, weiß man nicht genau, aber was aus dem Zentralrat der Guten wurde, wissen wir nun. Grund genug, die Scheibe mal etwas genauer zu inspizieren.

Aufmachung

Das Cover zeigt ein braun-sandfarbenes gestreiftes Kleidungsstück. Dass es sich um ein Kleidungsstück handelt, schließe ich jetzt mal aus den zwei Knöpfen, die sich unter dem Bandnamen befinden. Der Bandname prangert groß in in der Mitte, Schriftart und Gestaltung erinnern mich ein wenig an ein Werbeblechschild der 60er Jahre oder an einen Schriftzug am Eingang einer Vergnügungspark-Attraktion. Unten rechts steht in einem gelben Rechteck der Titel des Albums „Jedem die Reime“. Der eine oder andere wird jetzt bestimmt sagen: „Hey, mich erinnern das Cover und der Titel auch noch an etwas anderes!“. Ja, da lassen wir einfach mal der Fantasie freien Lauf 😉

Das Booklet behält den Stil des Covers bei und präsentiert uns Bilder von Frauen und Männern im Pin-Up-Stil, wie sie auf Blechschildern, Plakaten und Werbebannern der 50er und 60er Jahre verwendet wurden. Liedtexte sind ebenfalls vorhanden, ansonsten offenbart das Booklet gar nichts, keine Infos zur Band oder dem Album, keine Grüße oder sonstigen persönliche Dinge. Das wird wahrscheinlich seine Gründe haben, trotzdem ist es schade. Einzig der Spruch „Der Zentralrat ist über jede Empörung erhaben“ prangt auf der letzten Seite, was wieder als Fingerzeig in eine bestimmt Richtung beziehungsweise auf eine bestimmte Institution zu verstehen ist.

Die Rückseite ist ebenfalls sehr schlicht gehalten, was typisch für Veröffentlichungen vom Zeughaus ist. Eine einfache Titelliste, sowie die Logos vom Zeughaus und von Frontschwein Produktionen.

Alles in Allem ist die Aufmachung zwar irgendwie qualitativ hochwertig, aber auch absolut nichts sagend. Es gibt außer den Liedtexten nichts zu sehen und die Gestaltung kann ich auch mit der Band in keinerlei Verbindung bringen. Vielleicht stecke ich auch nicht tief genug in der Materie, Band und Grafiker werden ihre Gründe für die Wahl der Gestaltung haben. Bei mir gewinnt sie jedoch keinen Blumentopf, da ich leider nicht genau weiß, was ich daraus entnehmen soll. Ein kompletter Ausfall ist sie aber nicht.

Positiv anzumerken ist die Tatsache, dass es keine Sonderauflagen wie Digipacks oder Boxen gibt. Finde ich persönlich sehr gut und ist heute nicht mehr selbstverständlich. Somit können sich Interessenten ganz der Musik hingeben und lassen sich nicht durch hochkarätige Editionen zum Kauf animieren.

Zur Musik

01. Meine Gedanken
02. Deutscher Heldenmut
03. Glaube, Tat und Sieg
04. Walhalla ruft
05. Kein Untertan
06. Deine Stunde
07. Hass
08. Wer ist Gott
09. Mein Feind
10. Unsere Bitte
11. Urbane Jagd
12. Die letzte Schlacht

Zentralrat der Guten spielen harte Musik, welche eine Mischung aus Metal, Hard-Rock und Rechtsrock ist. Dabei gibt es weniger melodiöse Abschnitte, Bässe und Schlagzeug sind dafür sehr drückend. Was die Qualität und den Klang angeht, hat sich zum Vorgänger aber schon einiges getan. Die Röhre des Sängers ist sehr rau und leicht verzerrt, was aber sehr zur Musik passt. Die Kombination geht definitiv in Ordnung. In den sehr metallastigen Abschnitten des Albums bekommen wir auch noch eine zweite, schreiende Stimme geboten, wie sie im Black Metal sehr üblich ist. Ob es sich dabei um ein und die selbe Stimme des Hauptsängers handelt oder sich ein Kollege das Mikrofon schnappt, kann ich leider nicht beantworten. Zusätzlich sind in einigen Titeln auch noch anderen Stimmen zu hören, welche ich mal unter Gastsänger einordne. Auch eine Frau darf zum Mikrofon greifen, wem diese Stimmen gehören, kann ich aber leider nicht genau sagen. Im Beiheft sind sie jedenfalls nicht beschrieben.

Eröffnet wird das Album sehr langsam mit dem Titel Meine Gedanken, welcher kaum Melodie aufbringt und eher an eine Art Erzählung mit düsterem musikalischen Unterton erinnert. Der Sänger singt beziehungsweise erzählt, dass sich sein ganzes Leben nur um eine Sache dreht und er dieser Sache treu bleibt bis in den Tod. Für mich war es beim ersten hören ein recht langatmiger Einstieg, mittlerweile höre ich den Titel doch recht gerne.

Der zweite Titel beginnt ähnlich schleppend wie der erste, hat kaum melodiöse Richtungen und geht stellenweise schon in den Black Metal über. Textlich ist Deutscher Heldenmut aber eine sehr gute Nummer, auch wenn der Text hier eher wieder vorgetragen als gesungen wird. Es geht um die kämpfenden Helden an den deutschen Fronten, die für Deutschlands Freiheit ihr Leben ließen, was schon oft besungen wurde, aber gar nicht oft genug besungen werden kann. Im Refrain wird das Lied auch um einiges schneller, diesen Teil übernimmt dann auch die schreiende Stimme.

Mit Glaube, Tat und Sieg nimmt das Album nun endlich Fahrt auf. Schneller Hardrock mit Metal-Einlagen, auch der Schreihals ist dabei. Textlich ist das Lied eine Durchhalte-Parole in aussichtslosen Zeiten.

Jetzt wird es sehr interessant, denn passend zum Titel Walhalla ruft lassen die Herren eine Dame ans Mikrofon. Diese singt von Valkyren, welche unsere gefallenen Helden nach Walhalla holen, wo sie mit den Asen am Tisch der Helden Met trinken. Der Refrain gefällt mir sehr gut, abwechselnd singen Röhre und Schreihals (sie mögen mir die Spitznamen bitte verzeihen) und die Instrumente drücken einen ordentlichen Klang raus.

Kein Untertan stellt uns textlich vor die Wahl, Kampf oder Knechtschaft. Musikalisch bekommen wir hier ein paar schöne Gitarren-Solos geboten, auch wenn der Metal-Hammer das Lied weiterhin dominiert.

Sehr melodiös geht es im Titel Deine Stunde zu, welcher auch inhaltlich eines der besten Titel des Albums ist. Dabei geht es um die Heuchelei der IB-Mitglieder und ihren angeblich patriotischen Idealen. Röhre und Schreihals haben hier gar keinen Auftritt, dafür ein paar Sänger, die ich mal als Gastsänger einstufen würde, außer es wären die selben zwei nur ohne verzerrten Stimmen. Erkennen kann ich leider niemanden und im Beiheft sind sie auch nicht erwähnt. Nichts desto trotz, ein sehr guter Titel mit einer klaren Botschaft.

Wir sind mitten drin im Album und das Tempo bleibt hoch. Hass ist ein bitterböser Titel, der einem, beziehungsweise bestimmten Personen hart um die Ohren schlägt. Der Text ist dabei gänzlich einfach, der Sänger zählt dutzende Begriffe auf, welche im Refrain einfach nur mit dem Wort „Hass“ kommentiert werden. Seltsamerweise ist Hass ebenfalls das erste, was mir bei Wörtern wie „Antifa, Rastalocken und Dönerbuden“ in den Sinn kommt. So einfach kann Lyrik sein 😉

Wer ist Gott ist eine gute Frage und der Titel des nächsten Liedes. Das Lied kommt dem, was uns bereits auf dem Debüt der Jungs geboten wurde, sehr nahe. Es ist schnell, laut und schwankt textlich zwischen Anbetung und Lästerung, bis Gott selbst vor eine schwere Frage gestellt wird. Aber keine Angst, der Zentralrat kennt die Antwort 😉

Als nächstes kommt einer meiner Lieblingstitel, was mehrere Gründe hat. Mein Feind ist eine sehr aggressive Kampfansage an einen Verräter, welcher zu wissen scheint, dass der Tag der Abrechnung kommen wird. Das Thema Verrat wurde schon von vielen Bands besungen, aber das hier vorliegende Stück erweckt echte Bedrohlichkeit. Ein ähnliches Lied gab es schon auf dem Debüt der Jungs, welches textlich zwar um einiges härter war, aber auch hier haben wir einen ziemlich grenzwertigen Kandidaten vorliegen. Des Weiteren ist dieser Titel sehr melodiös gehalten, drückt aber noch mit genügend Hardrockeinlagen. Auf dieser Basis hätte ich mir hier auf dem Album ein paar mehr Titel gewünscht, von den Texten mal abgesehen. Er rockt und geht ins Ohr!

Unsere Bitte ist der Wunsch nach dem großen Mann aus der Mitte unseres Volkes, der selbiges wieder ans Licht führt, wie es schon einmal der Fall war. Wer damit gemeint ist, wird nicht gesagt, aber die deutsche Geschichte brachte ja viele große Männer zu Tage. Musikalisch ist der Titel sehr gut, bietet kaum Tiefen und ist einer der härteren des Albums.

Das Album ist auf dem höchsten Punkt angekommen, Urbane Jagd ist Programm! Auch dieser Titel weckt Erinnerungen an das Debüt. Die Röhre des Sängers kündigt ein heftiges Szenario an, nämlich eine Menschenjagd, die schließlich im Wald endet, bei dessen Ende ich nicht in der Haut des Gejagten stecken möchte. Der Titel ist nochmal recht schnell und textlich sehr böse.

Als Rausschmeißer bekommen wir auch nochmal etwas besonderes geboten. Zwei Stimmen wechseln sich in Die letzte Schlacht ab. Eine hohe Singstimme, welche ich am ehesten mit denen der Frontmänner von Blutbanner oder Heiliger Krieg vergleichen würde. Schreihals ist auch dabei und so beenden sie im Duett das Album mit einem eher ruhigen Titel, der trotzdem recht hart und düster daher kommt. Textlich ist es ein Aufruf, den Kampf nicht aufzugeben und sich eben auf die titelgebende letzte Schlacht vorzubereiten.

Fazit

Ich gebe zu, als das Album angekündigt wurde, hatte auch ich ernste Bedenken. Ich hatte davor die Hoffnung, dass ZdG weiterhin ihre Musik abseits deutscher Behördenreichweite veröffentlichen werden. Leider war dem nicht so, die Jungs haben sich entschieden, mehr in die Öffentlichkeit zu treten. Vielleicht wird daraus ja eines sogar Tages ein Live-Auftritt. Wie dem auch sei, das hier vorliegende Album ist gar nicht schlecht, im Gegenteil. Die Musik hat sich wirklich weiterentwickelt, ist etwas „erwachsener“ geworden und verlangt gleichzeitig der Musikanlage einiges ab. Viel Hardrock, viel Metal, etwas Melodie und die passenden Stimmen ergeben eine recht ansprechende Mischung. Textlich wird es wohl die Grenze des Machbaren sein. Ich halte es definitiv für keinen Fehlkauf, Freunde von Musik der härteren Gangart werden hier auf ihre Kosten kommen. Das Album läuft nun schon seit einiger Zeit bei mir im CD-Spieler und das wird auch noch eine Weile so bleiben. Ich bin auf jeden Fall auf den weiteren Werdegang der Jungs gespannt.

Meine Favoriten:

  • Walhalla ruft
  • Hass
  • Mein Feind
  • Urbane Jagd

Danke an Arvid für diese ausführliche Besprechung

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