In Tyrannos – Schlimmer als die Pest

In Tyrannos – Schlimmer als die Pest

Produzent/Label: Das Zeughaus
Erscheinungsjahr: 2017
Format: Album
Lieder: 10
Gesamtspielzeit: 48:55 Minuten
Genre: Thrash Metal, War Metal, Rock mit Metaleinschlag
Pressnummer: InTyranos – Schlimmer als die Pest
Zusätzliche Informationen: Das Album erschien als Jewel Case und im A5-Mediabuch mit erweitertem Beiheft in unbekannter Auflagenhöhe.

Vorwort

Es ist wirklich nicht zu glauben und ich hatte die Hoffnung schon aufgegeben, dass das gewaltige Thrash Metal Werk von 2007 einen Nachfolger bekommt. Pünktlich zur Weihnachtszeit veröffentlicht diesmal das Zeughaus, Hauslabel von Stahlgewitter, die handliche Granate, dessen Konzept sich diesmal einem anderen Themenfeld widmet.

Zur Aufmachung

Die Vorderseite zeigt uns einen Totenkopf mit Ährenkranz, der auf gekreuzten Oberschenkelknochen ruht. Die bleichen Gebeine sind stark gekennzeichnet. So sind sie teilweise gebrochen und es fehlen die Schneidezähne. Die menschlichen Überreste heben sich gut vom dunklen Untergrund ab, wie der Name des Projekts und der Albumtitel „Schlimmer als die Pest“, der im vierten Titel „Defendieret Wien“ näher beschrieben wird. Die Seiten des 24-seiten dicken Beiheftes lesen sich wie ein bebildertes Geschichtsbuch. Es werden überlieferte Fakten besungen und nicht mal aus falschem Stolz die polnischen Flügelhusaren, die bei der Verteidigung Wiens eine entscheidende Rolle spielten, verschwiegen. Davor schon Hut ab! Was textlich nicht hinein passte, wurde mit einer Fußnote versehen, was ich auch sehr lobe.

Der Vogel wird aber erst richtig abgeschossen mit dem Mediabuch, denn dort sind es glatte 60(!) Seiten eingeklebtes Beiheft, das noch mehr Bilder enthält. Die Aufmachung ist im Prinzip die gleiche, nur sind viele Bilder ungestutzt dargestellt, bieten also dem Betrachter mehr Informationen. Außerdem ist die Front geprägt, was einen Haptikpunkt bedeutet.

Zur Musik

01. Vor der Schlacht…
02. Karl der Hammer
03. Spartas Gesetz
04. Defendieret Wien
05. Winkelried
06. Anno neun
07. Barbaricum
08. Rammjagd
09. Langemarck
10. Am achten Tag
11. Vercingetorix
12. Blick auf die Walstatt…

Hier wird es spannend! Verglichen mit dem Erstlingswerk „Die Maske fällt“ (PC Records, 2007), verhalt man sich hier wesentlich ruhiger, fast schon rockig. Klar, der Metal kommt nicht zu kurz, nur die Geschwindigkeit ist eben arg gedrosselt bei etlichen Liedern. Im Logo auf der Rückseite der CD wurde „Teutonic Thrash Metal“ vielleicht deshalb um den Zusatz „& War“ erweitert und weil die Texte sich diesmal um Schlachten handeln.

Wie eingangs beschrieben, wechselte man nämlich das Themenfeld von Verschwörungen um Illuminaten und Freimaurer auf Schlachten in denen Europas Geschichte entschieden wurde. Die Reihenfolge ist dabei nicht chronologisch, was ich ganz gut finde. Einige Geschichten waren mir dabei völlig fremd, wie der Opfertod von Winkelried (1386) und das altmärkische Sonderkommando Elbe zum Ende des Zweiten Weltkrieges, mit der Mission die britischen Todesbomber durch Rammen vom Himmel zu holen.

Mir gefällt sehr, dass die wunderbar bedrohlich wirkende Melodie im gesungenen Intro (Klavierbegleitung), wie im musikalischen Outro (Gitarrenbegleitung) und im richtig starken und abwechslungsreichen Lied Barbaricum, welches die Hermannsschlacht um 9 nach Christus behandelt, Verwendung findet.

Viel zu selten hören wir vom Ersten Weltkrieg, umso erfreuter war ich beim neunten Lied, in dem die Schlacht bei Langemarck in Belgien im Jahr 1914 erzählt wird. Umstritten ist dabei der Hergang weshalb der Langemarck-Mythos entstand. Hervorragend finde ich folgende Textstellen:

Ehret die Toten und lasst sie ruhen, keinem von uns steht ein Urteil zu.

Das war Langemarck, die höchste Pflicht, schwer zu verstehen aus heutiger Sicht.

Das war Langemarck, der höchste Eid, andere Männer und eine andere Zeit.

Musikalisch würde ich es fast als Metalballade bezeichnen, die in der Mitte sehr ruhig und atmosphärisch wird, dass man sich das Geschehen bildlich vorstellen kann. Sehr gut gemacht!

Auch die Schlacht bei den Thermopylen um 480 vor Christus, die den Widerstand der zahlenmäßig unterlegenen Hellenen gegen die Perser behandelt, wird musikalisch in ein schön rockiges Gewand gesteckt. Besondere Aufmerksamkeit bekam diese Geschichte bereits im Jahr 2006 durch Zack Snyders bildstarke Comicverfilmung „300“, die die Anzahl der nicht weichen wollenden Spartaner nennt. Der zweite Teil war hingegen nicht mehr so episch.

Bemängeln möchte ich eigentlich nichts, doch passt mir das Lied „Am achten Tag“ textlich so gar nicht ins Konzeptalbum. Musikalisch ist es wirklich stark und überzeugend, doch wird hier viermal der gleiche Vierzeiler gesungen, der die Wehrmacht glorifiziert, die – keine Frage – Großes leistete, inhaltlich aber keine präzise Geschichte erzählt, sondern „nur“ glorifiziert. Es wäre auf einem Stahlgewitter-Album einfach besser aufgehoben, finde ich.

Mein Fazit

Nach dem Hören ist man wirklich baff. Einmal wegen der Faktenflut, verpackt in außergewöhnlich guter Lyrik, das Album macht Geschichte interessanter und erweckt im Hörer Wissbegierigkeit. Und dann wegen der mehr als passenden Musik dazu. Im Vergleich zum ersten Album fehlen mir aber prägnante Riffs (wie Die Maske fällt, Alle Tage – alle Nächte, Logenrituale), dafür wird oft mit den hohen Gitarrensaiten eine Begleitmelodie geboten. Nun hat man zwar insgesamt das Tempo reduziert, doch gibt es immer noch Titel, die richtig abgehen: Winkelried, Rammjagd und Vercingetorix.

Mir gefällt die Entwicklung und auch das Wechseln des Themenfelds und wenn ich eine Bewertung abgeben müsste, gäbe ich 9 von 10 Sternen.

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5 Gedanken zu “In Tyrannos – Schlimmer als die Pest

  1. Da ich von Gigi eigentlich absolut alles habe, mußte die neue Platte v. „In Tyrannos“ natürlich auch schnellstens her!
    „Puni“ hat recht: nicht alle Stücke sind im Stiel des ersten Albums! Einige Lieder kommen eher in Richtung des Albums „Stählerne Romantik“ v. Stahlgewitter!
    Trotzdem – absoluter Oberhammer, die Platte!!

  2. Sehr tolles Album, dass Gigi und die Jungs von In Tyrannos hier vor dem Jahresende abliefern. Ich finde die textliche Thematik super, ähnlich wie „Hunde des Krieges“ versucht Gigi hier, Geschichte musikalisch zum Leben zu erwecken. Drückend und brachial stellt er dabei die großen Schlachten der Geschichte dar.
    Anzumerken ist, dass an einigen Stellen der Grenze zwischen den Stadtmusikanten, Stahlgewitter und In Tyrannos verschwimmen. Für mich persönlich nicht schlimm, aber man sollte aufpassen, dass sich akustisch nicht alles irgendwann gleich anhört. Aber das ist vielleicht meckern auf hohem Niveau 😉
    Weiter so, kaufpflicht!

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