Paranoid – Ganz normale Leute

Paranoid – Ganz normale Leute

Produzent/Label: OPOS Records
Erscheinungsjahr: 2017
Format: Album
Lieder: 12
Gesamtspielzeit: 49:12 Minuten
Genre: Punkrock, Rechtsrock
Pressnummer: 43568 Paranoid
Zusätzliche Informationen: Die CD erschien auch im DigiPak (333 Stück).

OPOS präsentieren uns nun schon das vierte Album von Paranoid, die uns seit 8 Jahren schon mit deutschsprachigem Rock, verfeinert mit einer Prise Witz und einer ordentlichen Schippe Punk, beschallen. Laut Labelbeschreibung soll es das beste Album der Band sein. Aber mal rein hören 😉

Zur Aufmachung

Die Vorderseite zeigt uns eine Fotografie aus dem Jahre 1952, auf der ein Kinopublikum sich mit schicken Brillen „Bwana Devil“ in 3D ansieht. Das Foto ging damals um die Welt. Beim Aufklappen des Bei“heftes“ (es ist eher eine kleine Tapete) sehen wir weitere Bilder, die ich in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts einordnen würde. Der Look erinnert an Psychodelic oder Andy Warhol, was Mudhater Design wieder mal gezaubert haben. Die Texte sind in einem Fließtext geschrieben und nur durch die großgeschriebenen Titel getrennt. Ich finde es katastrophal zu lesen 😀

Cover des DigiPaks

Zur Musik

01. Ahnentafel
02. Was auch noch kommt
03. Der Natur folgend
04. Wer
05. Gebt auf
06. Ganz normale Leute
07. Ein schmaler Grat
08. Lächelnd ungeniert
09. Die Gewaltreform
10. Ehrensache
11. Wo bist du?
12. Braune Überraschung

Die Einleitung beginnt mit Vinylgekratze und lediglich den Akkorden auf der Gitarre, die eine Ohrwurmmelodie spielt! Dann rockt es auch schon los und ich finde, dass „Ahnentafel“ das beste Lied auf dem Album ist. Etwas viel Crashbecken im Refrain, aber darüber kann man bei dem Text und der Melodie hinwegsehen 😉 Textlich befasst man sich natürlich mit der Ahnenreihe, merkt aber an, dass man selbst nur ein recht unbedeutendes Mosaikstückchen ist und das Hauptaugenmerk auf der Beständigkeit der Kette liegt. Das Titellied „Ganz normale Leute“ zeigt sich gesellschaftskritisch, im Gegensatz zu den meisten Titeln auf diesem Album. Angeprangert wird die Doppelmoral jener, die sich in sozialen Netzwerken präsentieren und alles preisgeben, aber auf der anderen Seite auf den Schutz ihrer Daten bestehen und dann natürlich auch an die, die sich im Internet mehr zuhause fühlen, als im realen Leben.

Ein sehr schönes Thema ist für mich ja noch das Kritisieren der Politik anderer Länder, wie zum Beispiel Russland und China, ohne dabei jedoch einmal den Vergleich zur hiesigen Politik zu ziehen. Das wird in „Der schmale Grat“ textlich und musikalisch sehr gut verarbeitet. Wirklich humorig wird u.a. die Genderthematik im Lied „Die Gewaltreform“ präsentiert, die schon fast wie eine Toten-Hosen-Hymne daherkommt. Richtig gut geworden!

Dann frag ich mich nur, warum man im folgenden Lied „Ehrensache“ – der wie ein schlechter Rotte-Charlotte-Klon („Zensur„) klingt – gewollt lustig sein möchte und scheinbar Gastsänger heranholte, die meiner Meinung nach, alle schlecht singen. Vielleicht ist das ja so gewollt und ich hab es nur nicht verstanden. Es war eben schwer zu akzeptieren, dass nach so einem guten und wirklich witzigen Lied das hier kommt. Leicht enttäuscht war ich noch, dass das Lied „Lächelnd ungeniert“ musikalisch zu stark an Ahnentafel angelehnt ist, denn – es klingt gut, keine Frage – dadurch wirkt es teils wiederverwertet. Das war aber Nörgeln auf hohem Niveau.

Die „Braune Überraschung“ überrascht in vielfacher Weise. Wer sich die Vorfreude nicht nehmen lassen möchte,überspringt bitte diesen Absatz. Zuerst präsentiert man uns ein „scheiß“ Lied in volksmusischer Akustik in Kinderliedmanier, dann folgt eine tolle Swingnummer (Achtung! Nicht tanzen! 😉 ), die uns eine Arbeitswoche erzählt und anschließende Ausschnitte von Blödeleien aus dem Studio, die bestimmt wahnsinnig komisch sind, aber für nicht Eingeweihte ein Fragezeichen im Gesicht zurücklässt. Aber insgesamt ein toller Abschluss.

Zehn mal bekommt der Hörer Punkrock in die Ohren, einmal die schwermütige Rockballade „Wo bist du?“ und einmal eben die Überraschung 😉 Die „runden“ Lieder, also jene, die von vorne bis hinten einfacher gestrickt sind (wie Ahnentafel, Lächelnd ungeniert, Die Gewaltreform) und in die Hörgänge gehen wie Butter, gefallen mir besser, als die leicht experimentellen Lieder mit zu viel Abwechslung (wie Wer, Gebt auf). Aber das ist natürlich nur meine Meinung. Schreibt doch mal in die Kommentare, welches Lied euch am besten gefällt. Die Abmischung finde ich sehr gelungen, es ist alles gut zu verstehen. Die politischen Texte drehen sich um Geschichtsrevision, gegenwärtige Politik und Gesellschaftskritik, wobei der Witz nicht immer zu kurz kommen darf.

Mein Fazit

Insgesamt stimme ich OPOS zu, denn auch ich finde, dass Paranoid hier ihr bestes Album abliefern. Stimmlich hat sich der Sänger eindeutig gefunden – sogar noch besser als auf der Split mit Stereotyp (2016), da er auch mal ruhiger singt. Bei den ersten beiden Alben hat mir der Gesang nicht immer zugesagt. Eine schöne Entwicklung, die ich sehr begrüße. Von mir bekommt „Ganz normale Leute“ als modernes Politalbum mit Punkeinfluss 7 von 10 Sternen.

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Ein Gedanke zu “Paranoid – Ganz normale Leute

  1. Naja also schlecht ist es auf keinen Fall aber das Beste Album der Jungs ist es meiner Meinung nach nicht, da hat mir das vorherige Album und die Split mit Stereotyp schon um einiges besser gefallen. Note: 2

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