True Aggression – Manns genug!?

True Aggression – Manns genug!?

Produzent/Label: Oldschool Records
Erscheinungsjahr: 2017
Format: Album
Lieder: 13
Gesamtspielzeit: 36:00 Minuten
Genre: Punkrock, Rock
Pressnummer: OSR 067 http://www.oldschool-records.com
Zusätzliche Informationen: Erschien auch in einer Holzbox, limitiert auf 77 Stück.

Das Label Oldschool Records steht ja für qualitativ hochwertige Rockmusik, die mal unkonventionell in die experimentelle moderne Deutschrockrichtung geht, aber auch die alten Kaliber des Skinrock bedient. Bei der Newcomer-Band „True Aggression“ bekommen wir eher eine schöne Mischung aus beidem, denn die Musik könnte man als Oi!-Skin-Punkrock mit wohlklingend fröhlichen Melodien und mal sehr rauen harten Hardcorepunk bezeichnen, die mit sattem Klang der Moderne daher kommt. Mal singt man auf deutsch und mal auf englisch 😉

Zur Aufmachung

Die Vorderseite zeigt den Bandnamen in gold-gelb über einem schwarzen Dreieck aus dem links und rechte ebenso schwarze Wolfsköpfe herausheulen. In weißer Schreibschrift steht klein darunter „Manns genug!?“, was für den Hörer schon eine klare Botschaft und Herausforderung ist – „Bist du uns gewachsen?“. Darunter befindet sich ein Grammophon – zum zweiten Mal in diesem Monat, dass ein solch altes Abspielgerät ein CD-Cover ziert (Raritäten – Schöne heile Welt, Germania Versand). Das Bandlogo liegt auf einer Art Zielscheibe und hinter ihr scheinen gleichmäßig Graustrahlen in alle Richtungen. Die Seiten im Beiheft haben alle eine einheitliche Aufmachung. Während oben ein zum Text passendes Bild in grau unter einem leicht transparenten Sepia-Dreieck liegt, befindet sich der Liedtext in dem unteren Bereich. In der Heftmitte ist die Vorderseite mit versetzem Bandlogo zu sehen, sowie mit einem Spruch und einem weiteren diesmal größeren Wolfskopf. Auf der Rückseite steht natürlich die Titelliste, wie es sich gehört und im Hintergrund scheint auf Bahnschienen ein Fernseher auf einem Stativ zu stehen. Sehr merkwürdig. Was das wohl zu bedeuten hat? In der unteren rechten Ecke hat man dann noch das Schwalben-Nautilusstern-Logo von OSR hingeklatscht. Auf der CD sind die Rillen einer Schallplatte gedruckt und in der Mitte die Zielscheibe mit Bandlogo. Dahinter im sogenannten Tray ebenfalls das Bild vom Frenseher auf Stativ auf Bahngleisen und der Hinweis zum Design-Künstler Miesl[ungenes] Design – kennt man, ne? Schonmal gehört! 😉 Ich finde die Aufmachung völlig in Ordnung.

Die Vorderseite der mir nicht vorliegenden Holzbox zeigt einen Zähne fletschenden Wolf in Kampfpose, der mit einem Polohemd bekleidet ist und eine Schiebermütze trägt, außerdem tropft ihm Blut aus dem Maul. Hier passt der Albumtitel optimal finde ich. Der Wolf befindet sich auf auf der letzten Beiheftseite mit einem anderen Spruch.

Zur Musik

Da hier ab und zu sehr geringe Spielzeiten der Lieder vorkommen, habe ich mir erlaubt, die Liedlängen hinter die Titel zu schreiben.

01. Salutatio (2:36)
02. We are the pack (2:52)
03. Außenseiter (2:34)
04. Wehr dich lieber nicht (3:25)
05. All your words (2:10)
06. Freundschaft (3:39)
07. Artig sein (1:03)
08. Manns genug!? (3:21)
09. Dachstuhl-Dämon-Dosenbier (3:47)
10. Menschenfeind (3:35)
11. Einer für alle (2:55)
12. Think for yourself (0:32)
13. Stell dir vor! (3:26)

01. Salutatio

Die CD wird mit einer schönen Ansage eröffnet, die aus den 30ern stammen könnte, wie die unterlegte Swingmusik. Dann rockt die Band kurz los – alles textlos – und der Swing setzt wieder ein. Schöne Idee und toll umgesetzt.

02. We are the pack

Das Tempo ist zügig, die Musik ist punkig und die Aussage schön doppeldeutig. In einer Weise besingt man sich selbst, als das Wolfsrudel (Rudel = Pack) aus dem Hinterland, zusätzlich wird auf die abwertende Aussage Sigmar Gabriels Bezug genommen, die Teile der Bevölkerung als Pack bezeichnete. Geht gut ab die Nummer.

03. Außenseiter

Das erste deutsche Lied fängt sehr ruhig an und erzählt von persönlichen Gedanken des Sängers, rückblickend auf sein bisheriges Leben und den damit verbundenen Nicht-Stand in der Gesellschaft. In diesem Text werden sich bestimmt einige Hörer wiederfinden. Der ruhige Part war jedoch nur ein Intro und das eigentliche Lied ist wieder schneller punkiger Oi!

04. Wehr dich lieber nicht

Eine kleine einfache Melodie reicht oft aus, um ein Lied mit Wiedererkennungswert zu schaffen. Das wurde hier erreicht! Mit dieser Nummer bin ich von vorn bis hinten zufrieden! Es geht darum, dass der Kampf gegen das System mit Schikanen und Strafen einher geht und der sich nicht wehren wollende Haufen rät zum Ertragen, die Band aber zur Rebellion!

05. All your words

Das nächste Lied klingt schon etwas nach Hardcore-Punk und erzählt, dass wir das Volk sind und die Ketten der modernen Sklaverei, die uns das Fernsehen vorlebt und unseren Kindern in der Schulen gelehrt wird, zerbrechen werden. Dann hoffe ich mal, dass sich das Volk erheben wird oder in seinem bequemen Trott bleibt.

06. Freundschaft

Das Freundschaftslied ist meist gut; so auch hier! Die verzerrten Gitarren und der Chor werden nur im Mitsing-Refrain ausgepackt, die ruihgen Strophen kommen ohne aus. Tolle Nummer!

07. Artig sein

Wenig Text – viel Aussage! Füge dich, gehe deiner Arbeit nach, aber hinterfrage nichts. Du sollst funktionieren, nicht unbequem werden. Ich bekomme es noch hin, dass ich hier mehr schreibe, als der Text lang ist 😀 Das Lied geht knapp eine Minute und die Mucke dazu klingt leicht nach Motörhead. Sehr kurzweilig.

08. Manns genug!?

Das Titellied weist das auf, was die Platte im Ganzen ausmacht. Melodisch-fröhlichen Oi! mit einem zeitlosen Text, der den Hörer animiert, seine Freiheit selbst festzulegen nach eigenen Maßstäben und auch mal etwas zu wagen, eben Manns genug zu sein.

09. Dachstuhl-Dämon-Dosenbier

Ob es sich hierbei um Ernst, Satire oder Ernst mit augenzwinkernder Satire handelt, kann ich nicht mit Gewissheit sagen, denn bei „444“ erinnere ich mich an ein ganz peinliches politisches Reimvideo. Die Satire wird durch die Aufschlüsselung des Zahlencodes erfüllt, denn „Dachstuhl-Dämon-Dosenbier“ ist Blödsinn³. Andererseits wünscht man sich doch insgeheim eine homogene Bevölkerung 😉 Schwierig zu sagen, doch das Lied macht Laune! Da bin ich mir ganz sicher 😀

10. Menschenfeind

Wie erschafft man einen Misantropen? Der Sänger erklärt, dass das System durch die Produktion von Arbeits-Zombies, zu müde zur Rebellion und nicht gewillt das Volk zu retten, ihn zum Menschenfeind machte. Das ist jetzt natürlich Ansichtssache, ob man Mitleid mit den Leuten hat oder sie hasst, weil sie das System so prägt. Auch eines der besseren Lieder von TA.

11. Einer für alle

Hier wird es wieder etwas härter und noch besser! Mein absolutes Lieblingslied ist diese abwechslungsreiche Mitsingnummer! Man vergleicht sich wieder mit Wölfen, die auf den Straßen umherziehen und ihrem Instinkt folgen. Für mich die beste Nummer!!!

12. Think for yourself

Wie schon beim fünften Titel, fährt man hier Hardcore-Geschütze auf und mahnt den Hörer zum Selberdenken.

13. Stell dir vor!

Den Abschluss macht eine melodische Rocknummer, die mich musikalisch an Freikorps erinnert. Bleibt im Ohr – freut mich! 🙂 Hier stehen die Themen selbstständiges Denken und Freiheit im Fokus.

Mein Fazit

Eigentlich ist diese Musikrichtung für mich kaum attraktiv gewesen, doch gefällt mir diese Symbiose aus Punk-Oi!-Skinrock ganz gut und erinnert teilweise sogar an Pro Patria. Die Stimme des Sängers ist klar und kräftig mit einem Hauch von punkiger Frechheit. Insgesamt eine Scheibe, die man locker durchlaufen lassen kann, ohne dass es nervt oder Lieder weggedrückt werden müssen – im Gegenteil! Ich finde es auch gut, dass man hier mal auf deutsch und mal auf englisch singt und man auch zwischen melodischem Rock und schnellem Hardcore wechselt. Die Texte sind jedoch keineswegs so „plump“, wie Produktionen aus den 80ern und 90ern, sondern weisen oft Tiefsinnigkeit auf. Eine echte Überraschung, wie die Pro Patria im letzten Jahr.

Danke an dieser Stelle an die Kapelle für das Bereitstellen ihres Silberlings! Man ließ verlauten, dass man an neuem Material arbeitet.

Meine Favoriten sind:

  • Wehr dich lieber nicht
  • Freundschaft
  • Menschenfeind
  • Einer für alle
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