Spreegeschwader – Ich bin wieder da

Spreegeschwader – Ich bin wieder da

Produzent/Label: Oldschool Records
Erscheinungsjahr: 2017
Format: Album
Lieder: 15
Gesamtspielzeit: 66:32 Minuten
Genre: Rock
Pressnummer: OSR 065 http://www.oldschool-records.com
Zusätzliche Informationen: Erschien auch in einer Holzbox, limitiert auf 300 Stück.

Über ein Jahrzehnt gab es (bis auf zwei Samplerbeiträge) nichts von Spreegeschwader zu hören. Als im Jahr 2015 bekannt wurde, dass Alex nach einer Reanimation im Koma läge, hätte wahrscheinlich niemand gedacht, dass er wieder aufwacht, geschweige denn etwas Neues erscheint. Alles musste neu erlernt werden, auch das Musizieren. Und zwei Jahre später halten wir das neue Album in Händen. Das grenzt schon an ein Wunder.

Das Album ist diesmal persönlicher geworden als vorherige Alben, musikalisch ist man dem Rock treu geblieben, hat aber einen moderneren Klang bekommen. Textlich gibt es ein breites Spektrum und auch ein paar Nachspielversionen, sowie einen Rückblick in Form eines Medleys.

Zur Aufmachung

Die Vorderseite zeigt Alex, den Sänger und Gitarristen von Spreegeschwader, während er Gitarre spielt, fotografiert aus Hüfthöhe aufwärts. Der Albumname steht über seinem Unterarm, dass man es als Tattoo verstehen könnte, während der typische Spreegeschwader-Schriftzug in s/w/r-Frakturschrift im oberen Bereich des Covers prangt. Für eine Titelseite finde ich es mehr als dürftig und die Idee überholt. Der Deckel der Holzbox gefällt mir um einiges besser und ich finde es sehr schade, dass man sich nicht entschieden hat, es der normalen Version gleich zu tun.

Im Heft sind alle Texte abgedruckt (ausgenommen das Medley), zu Beginn ein paar Worte von Alex zur CD, die Credits (wer was wo wann spielte und aufnahm), die Originalinterpreten der vier Nachspielversionen (mit GEMA-Hinweis) und viele Bilder von 1994 – jetze, die sich wie ein roter Faden durchs Beiheft ziehen. Eine schöne Idee und einfache Gestaltung. In der Heftmitte wie auf der CD befindet sich ein echt schöne Fotografie, die es auch in einen Interviewbeitrag in den Metal Hammer geschafft hätte. Warum nahm man das nicht als Titelbild? 😀

Deckel der Holzbox

Zur Musik

Der Klang ist sauber und satt, die Instrumente echt gut gespielt, der Gesang ist bekannt. Alle Lieder sind im melodischen Rock anzusiedeln, wobei die Geschwindigkeit zwischen moderat und schnell wechselt. Die Gitarren sind recht hoch gespielt und rocken, das Schlagzeug drückt und besticht durch passend einsetzende Double-Bass Passagen. Der Gesang ist klar und leicht rau. Rückblickend auf ihre Veröffentlichungen, die 20 Jahre umfassen, muss ich sagen, dass mir SG musikalisch immer schon zugesagt haben, der Funke beim Gesang jedoch nie übersprang. Es ist also nicht böse oder abwertend gemeint, eben nur meine Meinung dazu.

Zu den Nachspielversionen sei gesagt, dass mir nur das Original von Freikorps bekannt ist und mir sehr gefällt. In wie fern sich die anderen Lieder vom Original unterscheiden, kann ich nicht sagen. Im Oithanasie Cover hört man aber den Sänger von AoV 😉

Das Medley am Ende ist ein Querschnitt aus den Alben von 1996 – 2004. Alex war es persönlich sehr wichtig, die Lieder, so wie er sie hören wollte, neu zu vertonen und nicht, wie es auf der Best of (2005) geschehen ist. Spreegeschwader sollte Rock bleiben.

Die Texte

01. Ich bin wieder da
02. Verpisst euch
03. Volksverräter
04. Überall wohin’s dich führt (1984) *
05. Steh auf
06. Es kommt der Tag
07. Korrupte Gesellschaft **
08. Es ist so, wie es ist
09. Augen auf
10. Ein Blick zurück
11. Thats Life ***
12. Trinkerlied oder „Nackt durch die Hölle 2“
13. Ansage (Nudels)
14. Immer und ewig ****
15. Spreegeschwader – Medley (1996-2004)

* Planlos, ** Oithanasie, *** Harald Junke, **** Freikorps

Nach 13 Jahren Funkstille meldet man sich höflicherweise mit einem „Ich bin wieder da“ zurück, wobei man sich fragt „Ich? Waren die nicht zu dritt?“. Das ist richtig, doch aus verschiedenen Gründen trennten sich die Wege und so ist man musikalisch jetzt (vielleicht noch?) alleine unterwegs. Möglich dass die Lieder „Verpisst euch“ und „Steh auf“ deshalb entstanden sind, handeln sie doch von Quatschern und sich nicht unterkriegen lassen. Den Politikern wird in den Liedern „Volksverräter“ und „Augen auf“ eine klare Antwort gegeben, wobei im „Trinkerlied“ schon wieder gefeiert wird. Die Jahreszahl im vierten Titel verrät, dass es sich um die Überwachungsstaatsszenarios dreht, die in George Orwells gleichnamigen Buch prophezeit werden. Lesenswert! In der ruhigen Nummer „Ein Blick zurück“ wird an alte Zeiten gedacht und einige Personen und Gruppen gegrüßt. Schöne Nummer. Die Wortwahl auf der CD ist zwar eher einfach und nicht kryptisch, aber gut zu verstehen.

Mein Fazit

Wie bereits erwähnt sind Musik und Gesang gut zu verstehen und nicht schlecht gemacht, doch kann ich meinen persönlichen Geschmack nicht verstecken, darum sagt mir die Scheibe insgesamt nicht so zu. Textlich gibt es ein großes Bedienfeld, dass für fast jeden etwas dabei sein sollte.

Meine Favoriten auf der Scheibe sind:

  • Es ist so, wie es ist
  • Augen auf
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2 Gedanken zu “Spreegeschwader – Ich bin wieder da

  1. Sicherlich kein Anwärter auf die „Rechtsrock-Scheibe des Jahres“ aber doch ein Album, das unterhält und bei jedem Hördurchgang besser reinläuft. Die absoluten Knaller fehlen aber „egal, wohin`s Dich führt“, „augen auf“ oder das ellenlange Medley sind außergewöhnliche Songs. Dazu kommt ein solider Mix bzw eine gute Produktion sowie ein ansprechendes Artwork inkl. feinem Booklet. Guter Rechtsrock, meist im Midtempobereich, melodisch und doch kräftig, und die Texte treten unseren Feinden derbe in den Arsch. Eigentlich keine Gründe für eine Indizierung aber das Maas-sche System grreift !
    Für mich ne knappe Note 2 !!!

  2. Mir gefällt die Scheibe ganz gut. Solider Rock mit Texten, die anspruchsvoll, aber nicht zu intellektuell hochstilisiert sind. Mal ernst, dann heiter, mal assig, mal bitter… es ist eigentlich für jedenwas dabei, wenn Alex das Mikro in die Hand nimmt. Was mir besonders gut gefällt ist, dass man diese Möchtegern-Hardcore-Schiene verlassen hat. Alben wie „Gefangen im System“, „Einjahrzehnt“ waren für mich längst nicht mehr hörbar, weil Alex nicht die entsprechende Stimme vorweisen konnte. Es klang so gequält. Deshalb, bin ich froh, dass er sich wieder auf Spreegeschwader vom Anfang konzentriert. Was ich nicht verstehe ist, dass man den Ulrich Meyer persönlich anspricht und ihn als verblödet betitelt. Er ist doch längst nicht der Einzige, so dass man eine anonyme Masse ansprechen hätte können. Muss man den so zwanghaft auf eine Indizierung hinarbeiten? Alex wird sich schon was dabei gedacht haben.

    Anspieltipps: Alle Songs… Beim Medley bekommt man Sehnsucht nach den ersten Scheiben, beste Werbung für die ersten drei CDs von Spreegeschwader, damals als Motte noch nicht die E-Gitarre schwang.

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