Faust – Alles und nichts wird sich ändern

Faust – Alles und nichts wird sich ändern

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Produzent/Label: OPOS Records
Erscheinungsjahr: 2016
Format: Album
Lieder: 10
Gesamtspielzeit: 47:04 Minuten
Genre: Hard Rock
Pressnummer: FAUST
Zusätzliche Informationen: Erschien auch im DigiPak (444 Stück).

Faust zählen für mich zu den Ausnahmebands im nationalen Musikbereich, denn ihre Botschaften sind durchaus eindeutig, die Gesinnung jedoch geschickt verpackt. Musikalisches Können weist jeder der Musiker zu genüge auf und das wird auch in etlichen anderen Bands und Projekten bewiesen, wo die Faust’ler ihre Fäuste im Spiel haben. Wirklich aufmerksam auf Faust bin ich erst im Jahr 2010 geworden, als sie ihr Album „Geboren in Ketten“ auf  den Markt schmissen. Schon damals haben sie sich wie einige andere deutlich von typischen nationalen Rockproduktionen abgehoben. Gesanglich fühlte ich mich manchmal an die Onkelz erinnert, was Patrick bestimmt nicht gerne hört jedoch gar nicht abwertend klingen soll. Mir gefällt dieser leicht undeutliche, heisere Gesang sehr in Kombination mit dem eingängigen Rocksound.

Zur Aufmachung

Die Aufmachung ist mal wieder der absolute Hammer! Hier haben Mudhater Design ganze Arbeit geleistet, das verkleidete Model perfekt in Szene zu setzen – vorausgesetzt MDHTR zeichnen sich auch verantwortlich für die Fotografie! Das Mädel mit dem spitz zulaufenden Trichter auf dem Kopf, der bis über die Augen geht, erinnert mich sofort an Horrorgestalten jüngster Blumhouse Productions Veröffentlichungen. Dieser Gruseleffekt wird enorm verstärkt durch die düstere Umgebung und nachträgliche Bearbeitung. Ob das gewollt ist, lasse ich mal im Raum stehen. Solche spitzen Hüte gelten ja auch als Narrenkappe und die verbundenen Augen könnten für „Blindheit“ stehen. Nicht nur die Gestaltung bietet so viel Spekulationsspielraum, wie ihr gleich lesen werdet. Ich bin von der Gestaltung sehr angetan und finde sie – trotz des gleichen Models – besser, als die Aufmachung der vorherigen CD. Aber das ist natürlich Geschmackssache.

Das limitierte DigiPak bekommt von mir gleich mal zwei Plusplunkte, denn erstens gefallen mir die zusätzlichen Fotos sehr gut und zweitens ist die Titelliste hier deutlich besser zu erkennen, als auf der normalen Version. Einen dritten Pluspunkt kann ich noch vergeben, weil mir DigiPaks im Allgemeinen mehr zusagen, als die Plastikhüllen. Das Beiheft mit allen Texten, aber ohne zusätzliche Informationen, ist in beiden Versionen gleich.

 

Zur Musik

01. Wir sind wieder da
02. Das Irrenhaus
03. Das ist dein Leben
04. Alles und nichts wird sich ändern
05. Dein Kampf
06. Immer wenn ich fallen will
07. Wir werden kämpfen
08. Ein Leben wie im Paradies
09. Mörder deiner Identität
10. Gott ist tot

01. Wir sind wieder da

Das Eröffnungslied hat es einfach in sich! Der mitreißende druckvolle Rock besitzt viele Melodien und einen ordentlichen Zacken Geschwindigkeit, während die Botschaft „Wir sind wieder da“ mit vielen Ausschmückungen verbreitet wird.

02. Irrenhaus

Mit „Irrenhaus“ wird die aktuelle gesellschaftliche Ächtung angeprangert, denn wenn man von seiner Rede- und Meinungsfreiheit Gebrauch macht und dabei etwas unbequemer wird, ist man schon ein „Nazi“, um es mal salopp auszudrücken. Und eben dieses Brandmal möchte sich der „normale Bürger“ nicht antun und zieht das Schweigen vor – wie es gewollt ist. Doch die Anschläge kommen immer näher, irgendwann trifft es auch jene, die bei sich denken „Schlimm, aber ist ja nicht bei uns“ und dann bereut man, nichts gesagt zu haben, nicht gehandelt zu haben. Die Frage, die sich ein jeder stellen muss, ist: Sehe ich schweigend, aber wütend zu, wie mein Land untergeht oder erhebe ich mich, dass dieses System untergeht!?

03. Das ist dein Leben

Das Leben in der BRD wird einem wie eine Schablone vorgelegt, in der man sich frei entfalten kann. Doch wahre Freiheit sieht anders aus und so bietet Patrick dem Hörer an, seine Flügel auszubreiten und von der wahren Freiheit zu kosten – metaphorisch betrachtet. Somit hat der Titel eine interessante Doppel(be)deutung. Einmal liegt der Fokus auf „Das ist dein Leben“, wo dem Hörer aufgezeigt wird, dass er Teil des Systems ist, weil er so ist, wie das System ihn möchte, so denkt, so handelt und es vertritt. Und dann wiederum kann es so verstanden werden: Das ist dein Leben und du entscheidest, was du daraus machst. Das gefällt mir!

04. Alles und nichts wird sich ändern

Der paradoxe Titel ergibt durchaus Sinn, denn das Volk ist vom Wohlstand gelähmt, warum sollte es etwas daran ändern? Mir geht es gut, warum in den Widerstand gehen? Dieser Egoismus ist das Fundament, dass sich dafür vieles andere ändern kann – und zwar ungehindert. Somit ändert sich alles aber auch nichts. Textlich wie musikalisch finde ich die Platte bis hierhin schonmal richtig gut und durchdacht. Nur mal so ein Zwischenfazit. Für ein Titellied geht es echt in Ordnung, ist aber – trotz des gleichbleibend hohen Niveaus bis jetzt – kein besonders herausragendes Stück.

05. Dein Kampf

Puh, hier fällt es mir gar nicht leicht zu sagen, worum es geht. Es wird eine Person mit „Du“ angesprochen, der es an Mut mangelt und sich deshalb von „ihnen“ herunterziehen und auffressen lässt. Das Schöne an Texten ist ja der Interpretationsfreiraum, so kann es ein Kampf mit sich selbst sein (Umgang mit Depressionen), auf der Arbeit oder in der Schule (Hänseleien), allgemein im Leben (staatliche Schikane) oder oder oder. Musikalisch gefällt mir sehr der Mini-Breakdown, in der Patrick schön tief gröhlt.

06. Immer wenn ich fallen will

Das Schmuckstück dieses Albums ist – und das weiß ich jetzt schon – diese herzergreifende (Rock-)Ballade! Sie erzählt vom Verlust eines geliebten Menschen, der jedoch erscheint, bevor man sich vor Trauer selbst etwas Schlimmes antut. So ein dermaßen persönliches, wie universelles Lied, treibt mir wahrlich die Tränen in die Augen. Das ist ein Paradebeispiel für Melancholie!

07. Wir werden kämpfen

Schon fast progressiv wechselt der Rhythmus von Part zu Part und bringt diesem Lied eine Dynamik mit hohem Wiedererkennungswert. Die Botschaft steckt bereits im Titel, dass man kämpfen wird gegen die Feinde unseres Landes und unseres Volkes. Gefällt mir auch sehr gut.

08. Ein Leben wie im Paradies (Rheinweinlied)
Text: Ludwig Christian Hölty (1776)

Ein hochwertiges Trinklied schufen Faust mit dem Rheinwein-lobenden Text von Ludwig Christian Hölty, seineszeichens Dichter und Theologe (studierte an der Uni zu Göttingen). Das Rheinweinlied zählt zu seinen letzten Werken, denn 1776 im Alter von 27 Jahren verstarb Hölty in Hannover an Tuberkulose.

09. Mörder deiner Identität
Gastgesang: Leopold

Ernster geht es hier zur Sache, das beweisen nicht nur das düster-aggressive Riff zu Beginn und der Gastgesang von Leopold (Überzeugungstäter, Übermensch), sondern auch der Verlust der Identität. Ich kann mich nicht erinnern schonmal ein Lied gegen Antideutsche („AntiFas“) gehört zu haben, dass es so deutlich auf den Punkt bringt (trotz Änderungen) ohne dabei niveaulos zu wirken. Eine weitere Glanzleistung insgesamt.

10. Gott ist tot

Im Rausschmeißer lässt Patrick sich ein weiteres Mal über Gott aus oder besser gesagt über alle Götter, denn was alles angeblich im Namen Gottes für Gräueltaten verbrochen worden sind, ist jenseits von Gut und Böse. Wie auch ich vertritt er hier die Meinung, die Welt wäre ohne Religionen besser dran. Oder um es mit Volker Pispers Worten zu sagen: „Wir haben Religionsfreiheit. Mir wäre auch lieber, wir wären religionsfrei …“.

Mein Fazit

Nach mehrmaligen Durchläufen gefällt mir das Album sehr. Es stellt den Vorgänger „Dann werdet ihr die Asche sein“ (2012) in meinen Augen in den Schatten, steht aber hinter „Geboren in Ketten“ (2010), was die Eingängigkeit der Lieder angeht. Hochwertige Musik verpackt direkte aber auch kryptische Texte, sodass keine Langeweile aufkommt. Faust ist für mich immer wieder eine Überraschung und ich bin froh, dass das Ding endlich im Kasten war! Wie seht ihr das?

Anspieltipps:

  • Wir sind wieder da
  • Immer wenn ich fallen will
  • Wir werden kämpfen
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