Pro Patria – Revolution

Pro Patria – Revolution

2016-07 - Pro Patria - Revolution

Produzent/Label: OPOS Records
Erscheinungsjahr: 2016
Format: Album
Lieder: 12
Gesamtspielzeit: 39:31 Minuten
Genre: Rock
Pressnummer: 0607691906

Der Name „Pro Patria“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „Für das Vaterland / die Heimat“ oder auch „Zum Schutz…“, also absolut zeitgemäß. Doch wer steckt dahinter?

Hierbei handelt es sich um ein Studio-Projekt von Musikern der Gruppen Selbststeller und The Granits (früher Donars Groll). Musikalisch steuert jede Band ihr Genre bei und so entsteht eine Symbiose aus Punkrock und Viking Rock. Während man beim ersten Album „Punkrock konservativ“ (2014) noch eine freche Frauenstimme als Gastauftritt vernehmen konnte, gewann man hier den RAC ’n‘ Roll Teufel für zwei Titel dazu.

Damals fand ich es noch zu roh, das Cover und der Titel waren nicht ansprechend, doch „Revolution“ ist nicht nur die Forderung der längst fälligen Wende in diesem Land, nein, es scheint, als ob auch ihre Musik eine Revolution widerfuhr. Aber lest selbst…

Zur Aufmachung

Die gesamte Gestaltung stammt diesmal von einem mir unbekannten Künstler namens „miesl[ungenes] design“. Eine Anspielung auf „misslungen“ liegt nahe, doch wird er / sie seinem / ihrem Namen dann nicht gerecht. Aber eine Vermutung habe ich 😉 Ich finde die Gestaltung ansprechend in knalligem Rot und tiefem Schwarz, mit ineinander greifenden Zahnrädern, die das Konzept der Gestaltung bilden. Es wirkt modern und passt zur Musik. Alle Texte sind in der richtigen Reihenfolge enthalten; eine Ausnahme bildet Lied 2. Das findet man auf der letzten Seite, aber durchaus passend platziert. Hier kann ich nicht meckern.

Zur Musik

01. Intro
02. Dann gnade euch Gott
03. Die Axt im Wald
04. Verraten und verkauft
05. Mit dem Wind
06. Warte nicht!
07. Totentanz
08. Revolution
09. Dein Stolz
10. Dir ganz allein
11. Freiheit
12. Ketzer (inkl. Hidden Track)

01. Intro

Wie es sich für ein typisches Intro gehört, durften sich die Instrumentalisten hier ordentlich austoben und der Sänger sich auf das erste Lied vorbereiten. Drückt und rockt. Passt!

02. Dann gnade euch Gott
Text: Carl Theodor Körner

Vor über zwei Jahrhunderten fiel ein großer Dichter im Befreiungskrieg gegen Napoleon, was ihn endgültig zur patriotischen Identifikationsfigur machte. Ein berühmtes Zitat von ihm wird hier aufgegriffen und stellt den gesamten Text des recht kurzen, schnellen und sehr melodischen Liedchens dar. Der Gesang erinnert mich an eine Mischung aus Viking Rock a lá Ultima Thule und Musik mit mittelalterlichen Themen, also kein Minnesang, aber auch kein Corvus Corax. Lässt sich schwer beschreiben, doch extrem gut hören! Tolles Lied! Was ich nicht ganz nachvollziehen kann ist, dass man eine so kurze Nummer nach einem Intro platziert? Dann lieber gar kein Intro und ein kurzes Lied zu Beginn oder mit Intro, aber das kurze Lied mittendrin, als Mittendrintro* sozusagen 🙂

03. Die Axt im Wald

Nach zwei Intros kommen wir nun zum ersten Lied, was uns OPOS auch als Hörprobe zur Verfügung stellten. Geht es euch auch oft so, dass die Hörprobe nicht fruchtet, doch wenn man es dann auf dem Album hört, richtig gut klingt? Womöglich handelt es sich hierbei um ein Puni-Phänomen und ich bin wieder der Einzige, bei dem es so ist. „Die Axt…“ ist ein melodisches Liedchen mit leicht aggressivem Unterton – passend zum Titel. Ich denke, ich spreche für jeden Hörer, dass es sich hierbei um eine Mitsinghymne handelt, die auch in mehreren Jahren noch singbar ist. Es geht dabei um das Bekenntnis zu Deutschlands Wurzeln und dass man sich nicht den Mund verbieten lässt. Passend hierzu ist eine Fotografie von Arminius (Hermann der Cherusker) abgebildet, der vor über 2.000 Jahren dem Römischen Reich eine heftige Niederlage bescherte und seit dem zur nationalen Identifikationsperson wurde. Ihr merkt jetzt schon, diese Platte scheint es in sich zu haben und das ohne direkten Bezug auf die Geschehnisse oder die Personen.

04. Verraten und verkauft

In diesem Lied geht es um Themen, die allgegenwärtig auf der Welt sind: Korruption und Kapitalismus. Die Herrschenden missbrauchen ihre Macht, um sich die Taschen voll zu stecken und der „kleine Mann“ wird ausgenutzt. So etwas schürt natürlich die Wut des Volkes, sodass es bald zur erhofften Revolution kommen wird. Wären da nicht Hartz IV, Fernsehen und Billigbier…

05. Mit dem Wind

Das klingt für mich nach einem Lückenfüller; musikalisch wie textlich. Es wird nämlich mal wieder über falsche Freunde / Verräter gesungen und davon kann jeder sein Lied singen. Muss aber nicht jeder, wie ich finde. Musikalisch passt es zur Platte, ragt aber jetzt nicht so heraus, wie die ersten 4 Titel.

06. Warte nicht!

Eher punkig kommt der nächste Titel daher und hier beweisen PP wieder, was sie können! Geile Nummer! Wir erinnern uns, dass es bei Selbststeller und Pro Patria gewisse Schnittmengen gibt. So verwundert mich die Textstelle „Einst werden unsere Kinder fragen: Warum habt ihr nichts getan?“ gar nicht, stellt es doch den Grundtenor des Liedes „Die eine Frage“ dar. Übrigens für mich eins der drei besten Lieder vom Album „Die rote Pille“ (2015).

07. Totentanz

Ich denke grundsätzlich an Absurd, wenn ich vom „Totentanz“ lese. Doch weder mit hörbarem Black Metal, noch mit Sackpfeifen-Gedudel werden wir in diesem Lied bedient. Es geht im Prinzip um ein fürchterliches Trauerspiel, das ich suizidale Augenwischerei nenne. Man baut um uns eine Scheinwelt auf, während wir in den Untergang getrieben werden. Auch wenn es längst alle erkannt haben, so ist die Fassade schöner, als die Ruine dahinter.

Und mal am Rande, ich kenne kein nationales Lied, in dem das Wort „Firlefanz“ benutzt wird. Hab ich gelacht 😀

Toleranz – Firlefanz – Rattenschwanz – Totentanz!

08. Revolution
Musik: Plastic Surgery

Das titelgebende Stück dieser Platte ist erstaunlicher Weise eine Nachspielversion der italienischen Oi!-Band Plastic Surgery! Gut, der Text wird hier auf Englisch vorgetragen und die Musik ist deutlich rockiger, wie schon bei der Faustrecht-Version (oder Jungsturm live oder Act of Violence beim diesjährigen Live H8 Fest). Ein sehr schönes Lied und sehr gut vorgetragen!

09. Dein Stolz

Ich habe es nicht vermutet, doch hier ist der nächste Kracher mit Hymnen-Charakter. Auch wenn es sehr punkig klingt und im Refrain zu monoton, so ist der Refrain absolut zum Mitsingen geeignet.

10. Dir ganz allein

Gut, langsam wird es unheimlich. Schon wieder eine tolle Nummer, die sich musikalisch durch Variationen abhebt, aber wunderbar ins Gesamtbild passt. Manchmal klingt mein Geschreibsel wirklich paradox, oder? 😀 Dir ganz allein ist eine weitere Geschichtsreise und ein Bekenntnis zum Vaterland. Mag es auch abgedroschen klingen, so stehen das Lied und der Text wunderbar im Einklang. Schön, so eine Überraschung am Ende des Tonträgers.

11. Freiheit
Gastgesang: RAC ’n‘ Roll Teufel

Spätestens jetzt muss ich sagen, dass mich diese erst unscheinbare CD sowas von fesselt! Wahrlich ein Anwärter auf die CD des Jahres. Hier wird nochmal ordentlich am Gerüst von „Dir ganz allein“ gefeilt und schöner Klargesang vom RAC ’n‘ Roll Teufel eingebaut, der Punk jedoch nicht vernachlässigt. Das bis jetzt beste Lied! Es geht darum, seine Träume zu leben, um frei zu sein.

12.1 Ketzer

Mit einem Filmintro beginnt das letzte Lied. Erinnert ihr euch, was ich beim zweiten Titel versuchte zu erklären? Ketzer knüpft genau da an und funktioniert. Wie der Titel schon erahnen lässt, wird hier die eigene Weltanschauung demonstriert, womit man sich gesellschaftlich zum Ketzer abstempelt.

12.2 Kein Herz für Salafisten
Musik: Fortress
Gastgesang: RAC ’n‘ Roll Teufel

Um noch einen drauf zu setzen, kommt hier eine schöne Coverversion mit eigenem Text gegen den Islamismusterror, der sich jetzt auch bei uns breit macht. Würdiger Abschluss!

Mein Fazit

Erst war ich skeptisch, da mir der Vorgänger als nur gute Durchschnittsware im Gedächtnis blieb, doch hat mich das gesamte Album vollends überzeugt. Hörbarer Viking-Punkrock mit guten Texten und vielen Ohrwürmern. Dazu ein Klargesang, der sich nicht zu verstecken braucht; melodisch, angenehm hörbar. Um es auf den Punkt zu bringen: Eine sehr schöne CD! Ich bin froh, dass es noch solche Produktionen gibt.

Als Anspieltipps möchte ich folgende Titel nennen:

  • Dann gnade euch Gott
  • Warte nicht!
  • Dir ganz allein
  • Freiheit

 

*  Dank an Odem

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4 Gedanken zu “Pro Patria – Revolution

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